Sonja Maria Schobinger

About

Mohn, 2015 
Fotografie, 76 x 58 cm 
Pigmentdruck auf Hahnemühle Papier


o.T., 2019 
Fotografie, 130 x 100 cm 
Pigmentdruck auf Fine Art Papier Museo Max

Sonja Maria Schobinger beschäftigt sich seit ihrem 13. Lebensjahr mit der Pflanzenwelt, indem sie diese in Zeichnung und Fotografie festzuhalten versucht. Ihre Arbeiten eröffnen einerseits den Blick auf die ungebändigte Natur, andererseits auf die Schnittstelle zwischen Natur und Kultur. Die Opposition von Natur und Kultur zieht weitere Gegenüberstellungen nach sich, die das Werk bestimmen: Weibliches und Männliches, Unordnung und Ordnung, Analoges und Digitales. Durch gekonnte Inszenierung und eine opulente und fein abgestufte Farbigkeit entfesseln die fotografischen Arbeiten von Sonja Maria Schobinger beim Betrachter zunächst eine unbändige Lust am Schauen und offenbaren erst auf einen zweiten Blick ihre subtile Brisanz. 

Stillleben mit Krug, 2016 
Fotografie, 87 x 120 cm 
Pigmentdruck auf Fine Art Papier Museo Max 

Sonja Maria Schobinger sucht in ihren Fotografien nach einer aktuellen Form des Stilllebens. In spürbarer Auseinandersetzung mit der flämischen Malerei sind in ihren Arrangements Blumen und Zweige in schlichten Gefässen angeordnet und entfalten im Spiel mit dem Licht eine zeitlose Monumentalität. Die Spiegelungen von Fensterkreuz und Zimmer auf der Wölbung der Gefässe verorten die Inszenierung in einem raumzeitlichen Gefüge, unterstreichen aber auch die Bedeutung des Lichts für das Sehen im Allgemeinen und für die Technik der Fotografie im Besonderen. 

In der Gattung des Stilllebens wird der Übergang von Natur und Kultur exemplarisch. Das Leben ist erstarrt, die Blumen sind geschnittenen und stehen in einem Krug, der von Menschenhand geschaffen wurde, um die wilde Natur in vernünftigen Portionen in die zivilisierte Welt zu holen. 

„Der Krug auf der unteren Bildhälfte symbolisiert die Zivilisation und die Kultur, welche das Wilde domestiziert, während der obere Teil des Bildes die Natur zeigt, das Organische, das Lebendige. Der Rand des Kruges, wo die Stängel der Pflanzen auf die Öffnung des Gefässes treffen, markiert eine Schnittstelle, an der Bewusstes und Unbewusstes verschmelzen.“ 

Sonja Maria Schobinger, 2018

Women Pick Flowers Nr. 35, 2019 
78 x 110 cm, Pigmentdruck auf Hahnemühlepapier 

Women Pick Flowers Nr. 33, 2019 
87 x 120 cm, Pigmentdruck auf Hahnemühlepapier

Sonja Maria Schobinger versucht die sinnliche und ästhetische Bedeutung sichtbar zu machen, die unentdeckt in ihren Motiven schlummert. Die Sprache und insbesondere die Literatur bilden dabei eine wichtige Inspirationsquelle. Wichtig sind ihr die Bücher von Siri Hustvedt, Aylet Gundar Goshen oder A. L. Kennedy. In der Auseinandersetzung mit Sprachbildern geht es auch darum, fremde und vertraute Gefühlswelten zu durchleben und für die eigene Arbeit fruchtbar zu machen. 

Akelei, 2015 
Fotografie, 84 x 83 cm 
Pigmentdruck auf Fine 
Art Papier Museo Max 

Beim Fotografieren von Pflanzen geht es für Sonja Maria Schobinger ums Sichtbarmachen des Aufeinandertreffens scheinbar getrennter Welten. In der Pflanzenfotografie treffen die ungebändigte, organische Natur und die Kultur als vom Menschen erschaffene Ordnung und Technik aufeinander. Zugleich dient die Darstellung der Naturelemente der Künstlerin dazu, metaphysische Gedanken und Zusammenhänge sinnlich erfahrbar zu machen und damit Innen- und Aussenwelt zu verschmelzen. Prozesse wie Entstehung und Zerfall – Phasen des menschlichen Lebens und jeder Existenz – finden in ihren Arbeiten einen Resonanzraum.

Quercus, 2019 
Fotografie, 70 x 47 cm 
Pigmentdruck auf Fine Art Papier Museo Max 

Anthemis Nobilis 

Seit 2018 steht Sonja Maria Schobinger eine botanische Sammlung aus dem 19. Jahrhundert zur Verfügung, die einst dem Studium der Botanik und der Pharmazie diente: Der Fundus von mehreren hundert handkolorierten Glasdiapositive ist durch eine glückliche Fügung in die Hände der Künstlerin gekommen. Fasziniert von der einmaligen Schönheit begann sie mit der Rekonstruktion der verblassten Farben, um die Glasdiapositive mit allen farblichen und strukturellen Feinheiten reproduzieren zu können. Zur farblichen Rekonstruktion kamen bald linguistisch-etymologische Nachforschungen, da jede Glasplatte mit dem lateinischen Namen der abgebildeten Heilpflanze beschriftet war. Auch die Heilwirkung und die Toxizität begannen Schobinger zu interessieren – immer mehr übernahm sie selbst den Blick einer Forscherin. 

Anthemis Nobilis 2, 2019 
Cystisus Laburnum, Oxalis Acetosella, Berberis Vulgaris 
Fotografie, 52 x 107 cm 
Pigmentdruck auf Hahnemühlepapier 

Die Beschäftigung mit der botanischen Sammlung erwies sich in künstlerischer und konzeptueller Hinsicht als sehr inspirierend und wurde bald zum eigenen Projekt: In der Verschmelzung von botanischen Tafeln und frühen analogen Selbstporträts erschafft Schobinger eine Bildwelt, die Daseinszustände und Körperlichkeit thematisiert und verschiedene Zeitebenen verschränkt. Während die Glasplatten aus den Anfängen der Fotografie stammen, markieren die analogen Selbstporträts den Anfang von Schobingers eigener künstlerischen Tätigkeit. Diese steht nun dem wissenschaftlichen Lebenswerk eines Mannes gegenüber, der längst in Vergessenheit geraten ist. Insofern geht es im Athemis Nobilis-Projekt auch um eine Vereinigung von weiblichem und männlichem Prinzip. Da der menschliche Körper in den Arbeiten lebensgross wiedergegeben wird, erscheinen die Pflanzen surreal vergrössert und erlangen eine überhöhte Ausdruckskraft.

Anthemis Nobilis 3, 2019 
Gypsophila Repens 
Fotografie, 29 x 24 cm 
Pigmentdruck auf Hahnemühlepapier

Antemis Nobilis 1, 2019 
Fotografie, 77 x 61 cm 
Pigmentdruck auf Hahnemühlepapier