Kinderportraits zu Beginn der Geschichte der Fotografie

Hauptmann Lumpert mit Tochter Hedwig - meine Ururgrossmutter mein Urururgrossvater aufgenommen 1844 in Wil SG - Daguerreotypie von Johann Baptist Jsenring
Kinderportraits stellten an die ersten Fotografen besondere Ansprüche. Die grösste Anforderung bestand darin , die oft quirligen, neugierigen und manchmal verunsicherten Kinder in der ungewohnten Umgebung des Daguerreotypisten oder Fotografen für die Zeit der Belichtung von mehreren Minuten, ruhig zu halten. Zusätzlich musste der Fotograf den Blick hin zur Mutter oder dem Vater weg und hin zur Kamera lenken.
Der traditionelle Ausspruch des Fotografen „Schau das Vögelchen!“ führt bis in die Anfänge der Fotografie um 1840 zurück. Im Jahre 1850 sang in einem New Yorker Fotoatelier ein Spielzeugvogel auf der Kamera um den Blick des Kindes an den richtigen Ort zu lenken.
Oft erkennt man auf den ersten fotografischen Abbildungen von Kindern auch die Hand eines Elternteils, die das Kind ruhig hält.
Marc Antoine Gaudin schrieb 1844 in “Traité pratique photographie” : „ Die interessantesten Produkte sind ohne Zweifel die Portraits kleiner Kinder, weil ihre natürliche Beweglichkeit zur Verzweiflung der Mütter wenig Spielraum für die Aufnahme lässt.“
Daher war ein Bildnis des schlafenden Kindes für einige Fotografen eine weit weniger riskante Angelegenheit und sehr verbreitet. Der Erinnerungswert des Kinderportraits war von grosser Wichtigkeit. Die einzelnen Entwicklungsschritte des Kindes konnte nun festgehalten werden. Die Bilder entstanden auf Grund der relativ hohen Kosten nur alle paar Jahre und wurden im Schutze eines edlen Etuis aufbewahrt.
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